drei von fern
Ausstellung im Multikulturellen Zentrum Dessau, vom12. November bis 16. Dezember 2011

Kunst von drei nahen Menschen, die im fernen Irak geboren sind.
Soll in der Kunst ein nationales Kolorit erkennbar sein? Soll man sehen, aus welchem Land ein Künstler kommt? Muss ein Künstler oder eine Künstlerin auf das Nationale verzichten, damit alle Menschen seine oder ihre Kunst ganz verstehen. Wenn Kunst eine Sprache ist, die sehr viele Menschen erreicht, dann muss sie einen Inhalt bieten, der von anderen verstanden werden kann.
Darf die Kunst eine eigene nationale Besonderheit aufweisen, die andere nicht verstehen,? Wie fremd wird die Kunst sein, wenn sie nur von wenigen Eingeweihten verstanden wird? Oder ist das Nationale in der Kunst nur ein Dialekt einer einzigen Sprache, die alle sprechen. Ist die Kunst eine Universalsprache, die alle verstehen, ohne sich zu verstehen?
Die meisten Menschen verstehen die gleichen Gesten, ich lasse die Schulter hängen, ich zucke zusammen vor Schreck, ich schließe die Augen und bin wach, Ich knie nieder und beuge meinen ganzen Körper. Alle werden verstehen, was in mir vorgeht, was meine Körpersprache und Mimik ausdrückt.So ist es mit der Kunst…die Farbe, die Form, die Oberfläche, die Situation, der Gegenstand, das Abbild, die Verzerrung, die Steigerung, die Lust, der Schrecken. Du verstehst es in der Sprache der Kunst, Du verstehst es, wenn Du dasselbe empfindest: Jeder zwar etwas anders, je nach Nation, Religion, Temperament, Lebenserfahrung oder der Kenntnis des Dargestellten. Es ist so, als würden wir verschiedene Dialekte einer gemeinsamen Sprache sprechen. Wir verstehen sogar Künstler, die vor 3000 Jahren lebten, ihre Sprache bewegt uns noch heute, wir vernehmen ihre Botschaft, so wie spätere Generationen unsere Botschaft verstehen werden.Der Turm Nebukadnezars in Babylon (um 600 v. Chr.) in der Phantasie der jüdischen Bibel (Genesis 11), die Bilder aus dem 17. Jahrhundert vom Turmbau zu Babylon (In der Anhaltischen Gemäldegalerie, im Georgium, ist eins davon zu sehen!), die Phantasien der Archäologen zu Babylon und der Neuaufbau des Ischtartores und Teilen der Prozessionsstraße im Vorderasiatischen Museum in Berlin lassen uns die hohe Kultur Mesopotamiens heute und hier erahnen. Die biblische Deutung der Zerstörung des „gotteslästerlichen“ Turmes „zwischen Erde und Himmel“ durch JAHWE und seine Engel als Beginn der Sprachverwirrung in der Welt und die Deklaration Babylons als „Sündenpfuhl“ ist wohl der bösen Erfahrung der Juden geschuldet, ihr Jerusalem an Babylon verloren zu haben und auch noch an den Euphrat in Gefangenschaft gehen zu müssen. Auch der Kult der Ischtar, Göttin der Liebe und des Krieges, wirkt wohl noch in der heutigen Zeit.







