Die "Interreligiöse und Interkulturelle Werkstatt" ist ein Modellprojekt im Rahmen des Bundesprogramms "VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie". Mit diesem Projekt wird versucht, Jugendliche aus Dessau-Roßlau zu erreichen und sie zu motivieren, dass sie ihre Freizeit mit anderen Jugendlichen verbringen, denen sie skeptisch gegenüberstehen - aber von denen sie auch lernen können.
Die "Interreligiöse und Interkulturelle Werkstatt" agiert in einer Region, die gekennzeichnet ist durch einen sehr geringen Anteil an migrantischer Wohnbevölkerung und einem hohen Grad an Trennung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So sind gegenseitige Vorbehalte und Vorurteile sowie Wissensdefizite in Bezug auf Lebensweisen der zugewanderten Gruppen weit verbreitet. Dem soll entgegen gewirkt werden.
Es sollen Interesse und Sensibilität für die verschiedenen Lebensweisen innerhalb der in Dessau-Roßlau vertretenen Religionen/Kulturen aufgebaut werden und unter Mithilfe der Jugendlichen selbst eine Art Werkstatt geschaffen werden. Somit fördert die "Interreligiöse und Interkulturelle Werkstatt" vor allem die Eigeninitiative der angesprochenen Jugendlichen, und aus dem direkten Austausch untereinander sollen eigene neue Ideen entstehen, deren Ausarbeitung unterstützt wird.
Ferner arbeitet die Werkstatt mit Jugendklubs, Schulen und anderen Kooperationspartnern zusammen, um mit hilfe gemeinsamer Aktivitäten (Wettbewerbe, Workshops, Ausflüge) verschiedene Jugendgruppen zusammen zu bringen. Durch Schulungsangebote werden interessierte Jugendliche außerdem in die Lage versetzt, ihr (interreligiöses und interkulturelles) Wissen und ihre Erfahrungen aufzubereiten und weiterzugeben.
Somit entsteht mit der "Interreligiösen und Interkulturellen Werkstatt" ein Ort der Annäherung von Jugendlichen unterschiedlicher Kulturen und Religionen.
Gerade in Dessau-Roßlau, in dem rechtsextreme Gewalt kein Fremdwort ist, ist es außerordentlich wichtig, dass die einheimische Bevölkerung und die Migrantinnen und Migranten einen Ort haben, um sich gegenseitig kennen zu lernen.
Im Jahre 2006 erhielt das Multikulturelle Zentrum Dessau e.V. von der Stadt Dessau die Genehmigung, den ehemaligen Sportplatz im Quadrat Johann-Meier-Straße / Chaponstraße / Amalienstraße / Lutzmannstraße zu nutzen.
Ziel war es, das Objekt für die Bürger und ihre Gäste zu einer Begegnungsstätte mit interkulturellem Angebot und gärtnerischer Freizeitbeschäftigung umzugestalten.
Im Frühjahr begannen unter der Regie des Multikulturellen Zentrums Dessau e.V. mit vielen Partnern die Planungsarbeiten zu Gestaltung der Fläche des künftigen interkulturellen Gartens. Im Sommer des gleichen Jahres wurde damit begonnen, die Ideen in die Praxis umzusetzen.
Es folgten im Jahre 2007 die Schaffung einer Ackerfläche zur gärtnerischen Bearbeitung und eines Basketballfeldes für die sportliche Betätigung.
Im Jahre 2008 wurde mit tatkräftiger Unterstützung von Schülern der Euro-Schulen Aken am Rand des geplanten Veranstaltungsbereiches ein Carport als Wetterschutz errichtet.
Im Mai trafen sich die Schüler der 9. Klassen der "Ganztagsschule an der Stadtmauer" zu einem Arbeitseinsatz im Interkulturellen Garten. Es schloss sich eine Bepflanzungsaktion, die von den Jugendlichen des Multiclubs "Treff" durchgeführt wurde, an.
Irakische Familien feierten auf dem Platz ihr traditionelles Familienfest und im Rahmen der HipHop-Sommerschule wurden die Arbeiten des Graffiti-Workshops an der Einfassung der Betonfläche der ehemaligen Pumpstation angebracht.
Der interkulturelle Garten ist auch Station der Radwandertour "Erkundungen am roten Faden - Stadumbau erleben" gewesen, bei der sich die Besucher über das Vorhaben und den Stand der Umsetzung interessiert informierten.
Seit dem Jahre 2001 arbeitet im Dessauer Multikulturellen Zentrum die Beratungsstelle für Opfer rechter Straf- und Gewalttaten. Zuständig ist das Opferberatungsprojekt für die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg, die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau sowie die Verwaltungsgemeinschaft Loburg im Landkreis Jerichower Land.
Freiwilligkeit und Vertraulichkeit sind die Grundprinzipien der Beratungstätigkeit des Opferberatungsprojekts. Wenn es die Klienten wünschen, findet die Beratung auch anonym statt. Wenn der Opferberater Marco Steckel von einem Angriff erfährt, nimmt er Kontakt mit dem Opfer auf.
Das Erstgespräch findet in der Regel an einem vom Opfer gewünschten Ort statt. Gemeinsam mit dem Opfer wird die Problemlage erörtert, der Betreuungsbedarf ermittelt sowie die weitere Vorgehensweise abgesprochen.
Ziel der Beratungstätigkeit ist die Unterstützung und Begleitung des Opfers bis zur vollständigen Wiederherstellung der sozialen Handlungsfähigkeit sowie der psychischen Stabilität. Der gesamte Beratungsprozess orientiert sich dabei an den Bedürfnissen des Opfers, wobei es stets ermuntert wird, seine Kompetenzen mit dem Ziel zu erkennen, Lösungsstrategien mit zu erarbeiten und umzusetzen.